Er wird's nicht Generation Y

Meine Bindungsangst und ich

Meine Bindungsangst und ich

Wie wir alle nur zu gut wissen, bin ich nun seit 6 Jahren single. Und wenn ich es mal vergessen sollte, erinnert meine Mami mich regelmäßig an diesen Umstand. Genauso wie mein überschwangerer Freundeskreis mich nicht nur an mein Single-Dasein erinnert, sondern auch daran, wie weit weg ich von einem halbwegs „gefestigten Lebensstil“ bin. Gefestigter Lebensstil ist bewusst in Anführungsstriche gesetzt, denn ich führe durchaus einen gefestigten Lebensstil. Ich habe einen Job, ich habe meine eigene Wohnung, ich habe Freunde und verfüge über genug Geld um mir die wichtigsten Dinge leisten zu können. Aber sagen wir mal, dass ich weit weg von dem ewigen Traum einer Frau bin, den Mann fürs Leben zu finden, Kinder zu zeugen und sesshaft zu werden. Hört man die Ironie heraus? Ich hoffe es.

Meine Bindungsangst und ich

Ich gehe immer sehr selbstbewusst mit meinem Single-Dasein um und vertrete gerne und lautstark die Meinung, dass ich keinen Mann an meiner Seite brauche. Dabei bleibe ich auch. Ich brauche keinen Mann um mich vollständig zu fühlen, um mein Leben zu meistern, um glücklich zu sein. Alle der oben genannten Punkte erfülle ich komplett alleine, oder eben mit meinen Freundinnen oder mit meiner Familie. Aber ich gebe es zu, manchmal holt auch mich die Vorstellung ein, dass es ganz schön wäre, einen Mann an meiner Seite zu haben, auch wenn ich es ungerne zugebe. Allerdings gebe ich es ungerne zu, da sich dann mein ewig fragendes Umfeld in seinen mitleidigen Blicken bestätigt fühlen würde, dass ich offensichtlich zwar auf der Suche bin aber kein nettes Exemplar abbekomme, welches blind und hilflos in meine Heiratsfalle tappt. Und diese Genugtuung möchte ich niemandem geben.

Kurz gesagt: Ich gebe keine schlechte Partie ab.

Ich denke auch manchmal über die Gründe nach, woran es liegen könnte, dass es mir schwer fällt, eine Partnerschaft aufzubauen. Und wenn ich mal versuche mich selbst als Außenstehender zu betrachten, würde ich behaupten, dass ich ausreichend gute Eigenschaften besitze, die durchaus attraktiv für das andere Geschlecht sein könnten. Kurz gesagt: Ich gebe keine schlechte Partie ab. Allerdings habe ich nie behauptet, dass ich keine Männer kennen lerne, die mich gut finden. Das ist also nicht das Problem.

Die Männer und ich

Wenn ich aber alle Kontakte zu potenziellen Partnern in der Vergangenheit durchgehe, zeichnet sich ein Schema ab. Und dieses Schema lässt mich mittlerweile darauf schließen, dass ich das Problem bin, also, dass ich diejenige bin, die Beziehungen mehr oder weniger bewusst oder unbewusst abblockt. Ergo liegt es weniger daran, dass Männer kein Interesse an mir haben. Habe ich also Bindungsangst?

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr macht meine Kurzdiagnose „Bindungsangst“ Sinn. Es ist nicht lange her, als meine Freundin und ich spazierend durch einen Park liefen. Ich erzählte ihr von meinem anderen Freundeskreis, indem gerade viele meiner Freundinnen schwanger sind. Was wir einvernehmlich für uns feststellten war, dass uns beiden den Gedanke an einen festen Partner mit all dem drumherum wie gemeinsamer Wohnung, heiraten und Kinder kriegen ein ziemlich flaues Gefühl im Magen verursacht, ähnlich wie Durchfall. Und das obwohl wir unser Mindesthaltbarkeitsdatum fast bereits überschritten haben. Bei mir ist die Panik bezüglich der besprochenen Zukunftsvision fast noch ausgeprägter als bei meiner Freundin. Allein der Gedanke daran neben einem Menschen Nacht für Nacht einzuschlafen, weckt in mir den Drang meinen Rucksack zu packen und in den Wald auszuwandern.

Der eine Teil ist mir nie gut genug. Der andere Teil ist für mich unerreichbar.

Wenn ich auf meine vergangen Männerkontakte zurückblicke, stelle ich folgendes fest: Der eine Teil ist mir nie gut genug. Ich lerne einen Mann kennen aber natürlich hat er einen Haken. Weil jeder Mensch (bestimmt auch Channing Tatum) einen Haken hat. Für mich bedeutet dieser Haken aber automatisch „abgehakt“. Zum allgemeinen Verständnis, ich rede hier nicht von einem Haken im Sinne von, dass der Mann ein Serienkiller ist. Nein. Es reicht schon, dass besagter Mann mich anruft, obwohl ich nicht gerne telefoniere, unabhängig davon, ob ich ihm das mitgeteilt habe oder nicht. Und schon ist er abgeschossen.

Der andere Teil ist für mich unerreichbar. Die Männer, die ich bereit war, emotional an mich heranzulassen, waren in der Regel nicht verfügbar, aus den unterschiedlichsten Gründen. Meistens war der Grund, dass sie vergeben waren. Oftmals ohne, dass ich es wusste (siehe Artikel: Wo ist das Häufchen?), manchmal aber habe ich mich wissend verguckt. In meiner Vorstellung hätte ich mit diesen Männern natürlich ein tolle glückliche Beziehung geführt. Hätte einer dieser Männer aber irgendwann mit offenen Armen tatsächlich vor mir als Single gestanden, befürchte ich, dass ich wahrscheinlich auch vor ihm weggelaufen wäre. Denn so bin ich einfach.

Die Ursachen für meine Bindungsangst

Ursachen für Bindungsangst können ganz unterschiedlich sein und liegen wie die meisten kleinen oder auch größeren Ich-Probleme in der Vergangenheit. Negative Verletzungen in der Vergangenheit verfolgen uns auch ins hier und jetzt. Meine letzte und auch ernsthafteste Beziehung ging zu Bruch durch Fremdgehen von meinem Ex-Partner. Und auch wenn ich mit dem Ende der Beziehung mittlerweile meinen Frieden geschlossen habe, vergesse ich nie mehr in meinem Leben die Abwärtsspirale, die mein Leben zu dieser Zeit nahm und das hilflose Gefühl darüber, dermaßen betrogen worden zu sein. Und ja, auch wenn ich seitdem ein selbstbewussterer Mensch geworden bin, habe ich Angst davor, dieses Gefühl jemals wieder erleben zu müssen.

Die logische Schlussfolgerung ist also, wenn ich keine Beziehung führe, wenn ich diejenige bin, die Männer als oberflächliches Spielzeug oder Zeitvertreib nutzt, dann werde ich nicht mehr verletzt.

Die logische Schlussfolgerung ist also, wenn ich keine Beziehung führe, wenn ich diejenige bin, die Männer als oberflächliches Spielzeug oder Zeitvertreib nutzt (und ich weiß ganz genau, wie mies das klingt), dann werde ich nicht mehr verletzt. Ich muss keine Verlustangst mehr haben, denn wenn ich niemanden nah an mich heran lasse, kann ich niemanden verlieren. So einfach ist das.

Freiheit vor Trauring

Aber nicht alle Ursachen für eine Bindungsangst müssen in der Vergangenheit liegen. Ich liebe meine Freiheit und manchmal glaube ich, dass ich meine Freiheit mehr liebe, als ich einen Menschen lieben könnte. Mein Leben hat nie einen geraden direkten Weg genommen. Ich war schon immer ein Bauchmensch. Hatte ich keine Lust darauf, etwas zu tun, habe ich es nicht gemacht. Verpflichtungen? Darauf gebe ich nichts. Routine? Nicht mit mir. Ich bin in vielerlei Bereichen meines Lebens sehr unstetig unterwegs. Auch wenn ich mein Leben im Griff habe und es bewältigt bekomme, kratze ich häufig an den Grenzen dessen, was ich tun sollte und dem was mir gerade Spaß macht.

Und wisst ihr was? Ich steh drauf.

So habe ich in meinem Leben noch nie einen Cent gespart, meinen Führerschein bisher nicht gemacht, macht der Job mir keinen Spaß, kündige ich, ich feiere Nächte mit meinen Freundinnen durch, obwohl am nächsten Morgen ein Termin ansteht und manchmal melde ich mich wochenlang bei besagten Freundinnen nicht, es gibt Tage an denen ich bis zu 18 Stunden am Tag arbeite und es gibt Tage an denen ich bis 12 Uhr ausschlafen kann. Und wisst ihr was? Ich steh drauf. Ich steh drauf im hier und jetzt zu leben und nicht an morgen zu denken und schonmal gar nicht an das, was in 10 Jahren sein könnte.

Ich weiß, dass meine biologische Uhr tickt und vielleicht werde ich in 10 Jahren zurückblicken und bereuen.

Ich weiß nicht, wie ein Mann in mein Lebenskonzept, oder sollte ich lieber Lebenschaos sagen, passen soll. Egal wieviel Freiraum ein potenzieller Partner und ich uns in der Beziehung lassen, bin ich ab dem Moment, in dem der Status „Single“ für mich endet, jemandem Rechenschaft schuldig. Jemand wird Zuhause auf mich warten. Jemand wird wissen wollen, wo ich mich herum treibe und wann ich nach Hause komme. Jemand wird mit mir planen, was wir morgen zu Abend essen. Jemand wird neben mir einschlafen und und neben mir aufwachen. Jemand wird mich fragen, welche Ziele ich im Leben habe. Jemand wird irgendwann Kinder mit mir wollen. Der Gedanke daran, mein Chaos aufzugeben, verursacht in mir Angst. Bindungsangst? Wahrscheinlich.

Meine Bindungsangst bleibt bei mir

Jetzt könnte man meinen, dass ich versuche meine Bindungsangst anzugehen, sie zu hinterfragen, aufzuarbeiten, bewältigen. Aber so ist das nicht. Wahrscheinlich sollte ich meine Bindungsagst überwinden, genauso wie ich mir eine Haftpflichtversicherung zulegen und das Anhimmeln vergebener Männer drangeben sollte. Aber vielleicht gehört meine Bindungsangst einfach zu mir. Ich weiß, dass meine biologische Uhr tickt und vielleicht werde ich in 10 Jahren zurückblicken und bereuen. Vielleicht habe ich viele tolle Männer unbeachtet gelassen und ihnen keine Chance gegeben. Vielleicht werde ich irgendwann vom glücklichen zum traurigen Single mutieren. Vielleicht erkenne ich das Glück, dass das Mutter-Sein mit sich bringt, nicht. Vielleicht erkenne ich den Wert einer guten Partnerschaft nicht. Aber wisst ihr was? Das sind sehr viele Vielleichts, zu viele für meinen Geschmack.

Das wichtigste Vielleicht ist für mich, dass ich vielleicht jemanden kennenlerne, der mir zeigt, dass er es Wert ist, meine Bindungsangst zu überwinden und ich vertraue darauf, dass ich es in diesem Augenblick erkennen werde.

Bindungsangst Ursachen, Symptome und Überwindung

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Über den Autor

Mein Idol: Pipi Langstrumpf. Ein freches Mädchen, mit immer perfekt sitzender Frisur, Tendenz zur Rothaarigkeit, trägt viel zu kurze Kleider und liebt Strümpfe, lebt alleine in einer Villa Kunterbunt, ist das stärkste Mädchen auf der Welt, hat eine eigenwillige Moralvorstellung, ist ein wenig naiv aber immer für ihre Freunde da und rockt ihr Leben ganz ohne Mann oder Vaterfigur. Das bin ich.

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