Generation Y

Ich bin transparent.

transparent

Wer mich kennt, sieht mich kommen…nein, nicht weil ich den Orgasmus meines Lebens gerade habe, sondern weil ich ein transparenter Mensch bin. Sei es, weil mein Gesicht ein offenes Buch ist, weil ich meine Emotionen nicht wirklich kontrollieren kann (weder die guten noch die schlechten) oder weil meine Augen für mich sprechen. Mich sieht man kommen, weil ich transparent bin.

Der erste Eindruck zählt…

Oft durfte ich mir anhören, dass ich auf den ersten Blick sehr kalt, abweisend, ja sogar arrogant wirke. Und ja. Kalt, abweisend und arrogant sein kann ich. Aber ich kann auch anders. Wer mich kennt weiß, ich bin ich, wenn meine Laune sich von Ihrer schlechtesten Seite präsentiert. Ich bin ich, wenn ich mal wieder überhaupt keine Geduld habe oder alles unter Kontrolle haben muss. Wer mich kennt, weiß aber auch, dass ich, ich bin, wenn ich meinen Freunden das sage was sie hören müssen, und nicht was sie hören wollen. Wer mich kennt weiß, dass ich meinen Tränen freien Lauf lasse, wenn es nötig ist und dass, wenn ich fühle, dann richtig.  

Viele Jahre lang habe ich, aufgrund negativer Aussagen bzgl. meines Charakters, an meiner Person gezweifelt. Ich habe mich verschlossen und immer weniger mein wahres „Ich“ gezeigt, aus Angst nicht gemocht zu werden. Weit hat mich diese Einstellung nicht gebracht. Mein wahres „Ich“, mit allen meinen Ecken und Kanten kam immer wieder zum Vorschein. Somit habe ich nicht nur anderen Person etwas vorgetäuscht, sondern mir selbst. 

Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich nicht jedem gefalle und sicherlich nie werde (and I think that’s beautiful). Und das ist auch gut so! Dennoch muss ich mir das gelernte immer wieder von meinen besten Freundinnen – auf unterschiedlichen Sprachen – wiederholen lassen, um es bloß nicht zu vergessen.

…sagt aber nicht alles über eine Person aus. 

Ich wirke also manchmal etwas distanziert, abweisend und hochnäsig auf den ersten Blick. Kein guter erster Eindruck. Aber mal unter uns…Sagt der erste Eindruck wirklich alles über die Persönlichkeit unseres Gegenübers aus? Meiner Meinung nach gibt es hierzu nur eine Antwort: Nein! Nein! Und wieder nein!

Wenn wir jemand gerade kennen gelernt haben, wissen wir, mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit, wenig bis zu gar nichts über diese Person. Oder unser Vorwissen ist geprägt durch Aussagen/Beschreibungen/Erzählungen anderer Personen, z.B. unserer Freunde. In diesem Fall haben wir uns vielleicht sogar schon vorab eine Meinung über diese „neue“ Person gebildet. Das Problem hierbei: Meinungen sind per se subjektiv und entsprechend von Mensch zu Mensch sehr individuell. Die Konsequenz hiervon ist, dass wir diese dritte Person durch die Augen eines anderen sehen. Bedeutet: wir sind voreingenommen. 

Voreingenommen jemanden kennen lernen, ist wie mit Photoshop bearbeitete Strand-Bilder schauen. Die Strände sehen nach der Bearbeitung entweder deutlich schlechter oder deutlich besser aus. Das Ergebnis ist aber in beiden Fällen gefälscht.

Voreingenommen jemanden kennen lernen, ist wie mit Photoshop bearbeitete Strand-Bilder schauen. Die Strände sehen nach der Bearbeitung entweder deutlich schlechter oder deutlich besser aus. Das Ergebnis ist aber in beiden Fällen gefälscht. Mit Personen passiert genau das gleiche. Man weiß nie genau welche Version die echte ist, entscheidet sich aber für die Meinung anderer. Weil es einfacher ist, und weil wenn anderen „das“ sagen, dann wird es schon stimmen.  

Fakt ist aber, man sollte nicht über Menschen urteilen. Und wenn man schon urteilt, sollte man selbst Richter spielen. Den bei einem kennen lernen – egal ob es sich hierbei um Freundschaft, Liebesbeziehung oder berufliches Networking handelt – weiß man nie wie der Tag dieser Person war, was der-/diejenige schon alles durchgemacht hat, wie es der Person wirklich geht, etc.

Über die Tatsache, dass nicht jeder jeden mögen muss, brauchen wir gar nicht reden. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Meine beste Freundin mag nicht alle meine Freunde, und ich mag nicht all Ihre Freunde. Aber wisst Ihr was? Das ist ok!

Mich sieht man kommen, weil ich transparent bin. 

Wie schon erwähnt habe ich schon oft gehört und gesagt bekommen, dass ich manchmal etwas kalt wirke. Mindestens genauso oft wurde mir aber versichert, dass ich genau das Gegenteil davon bin. Wer mich kennt weiß, ich bin beides. Und wer mich kennt, weiß dass ich beides bin, weil sie sich selbst ein Bild über mich gemacht haben. Sie haben sich die Zeit genommen. Unvoreingenommen. 

Diejenigen die sich selbst ein Bild über mich gemacht haben wissen, dass es einen Grund gibt wieso ich manchmal etwas zurückhaltend und distanziert wirke. Diejenigen die sich die Zeit genommen haben mich kennen zu lernen wissen, dass mir vertrauen sehr wichtig ist und ich es nicht einfach so hergebe. Dass ich alles stehen und liegen lassen würde, sobald meine Familie und Freunde mich brauchen. Dass ich eine Meinung habe, zu dieser stehe und diese, bei Bedarf, verteidigen werde. Wer mich kennt weiß, dass mein Gesicht ein offenes Buch ist und meine Augen für mich sprechen. 

Wer mich kennt sieht mich kommen, weil ich transparent bin. 

Wer mich kennt sieht mich kommen, weil ich transparent bin. Das bedeutet nicht, das man mich sofort durchschaut. Gott weiß, ich blicke nach 28 Jahren selbst nicht ganz durch. Aber ich versuche stets ehrlich zu sein und zeige mich genauso wie ich bin, auch wenn es nicht immer schön ist. Und wer mich nicht genauso akzeptiert, der hat keinen Platz im meinem Leben verdient.

Seid also offen dafür Menschen so kennen zu lernen wie sie sind. Macht euch selbst ein Bild über euer Gegenüber. Lasst euch Zeit um miteinander warm zu werden. Geht unvoreingenommen an die Sache heran und vielleicht entsteht eine Freundschaft die andernfalls nie zustande gekommen wäre!

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Über den Autor

Die Welt ist meine Heimat, der Ozean meine Energiequelle und Salzwasser meine Blutgruppe. Mein Gesicht ist ein offenes Buch, meine Emotionen habe ich nach 28 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle und meine Augen sprechen für mich, ob ich es will oder nicht.

(2) Kommentare

  1. sagt:

    „Seid also offen dafür Menschen so kennen zu lernen wie sie sind. Macht euch selbst ein Bild über euren Gegenüber. Lasst euch Zeit um miteinander warm zu werden. Geht unvoreingenommen an die Sache heran und vielleicht entsteht eine Freundschaft die andernfalls nie zustande gekommen wäre!“
    ein cooles Statement. Ich bin ja schon etwas reifer (;-) mit 50 darf man das sagen) und finde dass die jüngeren Generationen genau das lernen dürfen. Leider erkenne ich sehr oft eine Muster..wenn der potentielle Partner nicht ins Idealbild passt wird er sofort aussortiert……
    Schade. Da entgehen einem viele Mögliche Facetten.

  2. Lieber Etienne,
    danke für deinen Kommentar!
    Tatsächlich ist es so, dass viele aus meiner Generation, die so genannte Generation Y, sich von Meinungen anderer Personen sehr beeinflussen lassen. Nicht nur bei Partnerschaften sondern auch bei Freundschaften. Wie Du schon sagst, so entgehen einem leider viele Facetten des Gegenübers.
    Ich werde sicherlich mit meiner Einstellung nicht die Welt ändern, und sicherlich wird nicht jeder damit zurechtkommen. Aber wie schon im Beitrag erwähnt, habe ich lieber Personen um mich herum die zumindest versuchen genauso ehrlich mir gegenüber zu sein, wie ich es bin.

    Liebe Grüße,
    Das RWN-Team

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