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„Da unten“ – Warum die deutsche Sprache an meiner Vagina scheitert

Da unten Vagina

Ich bin absolut dafür, die deutsche Sprache wieder mehr nach vorne zu bringen aber ich muss sagen, sie scheitert tatsächlich an meiner Vagina, meinem „da unten“.

Aber von vorne: In den vergangenen Jahren wurden immer mehr deutsche Wörter „verdenglischt“, d.h. englische Wörter haben im normalen Sprachgebrauch, deutsche Wörter abgelöst. Grundsätzlich finde ich diese Wendung gar nicht so schlimm. Der Versuch einer Reinhaltung der deutschen Sprache, käme wohl dem Versuch gleich „Rassen“ auch „rein“ zu halten und wer will das schon? 🙂

Dennoch wäre es doch schön, wenn Saltletts Sticks doch einfach wieder unsere heißgeliebten Salzstangen wären und ein Brainstorming einfach eine Kreativrunde bleibt, denn was ist falsch an den Wörtern? Aber ich verstehe es in anderen Bereichen, dass die deutsche Sprache uns vor echte Herausforderungen stellt, z.B. im Bereich der weiblichen äußeren oder inneren Geschlechtsorgane, meinem „da unten“.

„Da unten“ ist keine korrekte Beschreibung

Egal in welche Situation ich mich gedanklich hineinversetze, finde ich kein passendes Wort für meine Vagina, ohne dass sich alles in mir zusammenzieht. Denke ich an einen Termin beim Gynäkologen und ich müsste diesem erklären, dass ich „dort unten“ ein Problem habe, würde ich wahrscheinlich das Wort Vagina verwenden. Mit dieser Bezeichnung käme ich wahrscheinlich, unter einem medizinischen Gesichtspunkt betrachtet, am Besten zurecht. Versetze ich mich aber nun in die Situation, in der ich mit meiner Mama, Schwester, Freundin über meine untere Region sprechen möchte, wirds schon unangenehm. Meistens sieht das Gespräch doch so aus, dass ich wild gestikulierend, mit den Händen und Fingern nach unten zeigend über „da unten“ rede, zumindest ist es bei mir so der Fall.

Der sexuelle Aspekt

Und nun kommt der schwierigste Aspekt für mich: der Sexuelle. Wenn ich nun mit meinem festen Partner oder zumindest Sexualpartner über „da unten“ reden möchte, dann möchte ich, dass er mein Geschlechtsorgan weder als billiges Pornogerät sieht, noch als flauschig süßes Puppenspielzeug und auch nicht als medizinische Brutstätte oder als potenzielle Entstehungsumgebung für ein zukünftiges Baby.

Das Teil da unten ist ebenfalls erwachsen und in seiner ganzen Pracht äußerst sexy und ansprechend.

Ich bin eine erwachsene Frau, das Teil da unten ist ebenfalls erwachsen und in seiner ganzen Pracht äußerst sexy und ansprechend. Und ich wünsche mir aus tiefstem Herzen ein Wort dafür, dass genau diesen Aspekt ausdrückt.

Das erste Mal, als mir auffiel, dass es überhaupt kein respektvolles, nicht verniedlichendes oder vulgäres Wort für meine untere Region gibt, war als ich mit meinem Partner ein bisschen „Sexting“ betrieb. Wir hatten recht häufig sehr anregende Unterhaltungen, die ziemlich genau auf den Punkt beschrieben, wie wir uns gerade vorstellten, was wir mit dem anderen anstellten. Aber ich umging es immer wieder gekonnt meinem „da unten“ einen Namen zu geben.

Ignorieren ist auch (k)eine Lösung

Kennt ihr das, wenn ihr nicht wisst, ob ihr gerade jemanden duzen oder siezen dürft und die kuriosesten Sätze formuliert, um das „Sie“ oder „Du“ zu umgehen? Genau diese Technik wandte ich beim Sexting an. So kreativ und wortgewandt ich mich in meinen sexy Gesprächen auch gab, fiel es meinem Gegenüber auf. Daraufhin schrieb er mir ganz offen: „Überleg dir ein Wort, das dir gefällt und für angebracht hältst, welches wir für deine untere Region zukünftig in unseren Gesprächen nutzen.“. Und auch wenn ich sonst nicht auf den Mund gefallen bin, hatte er mich vor eine riesige Herausforderung gestellt und ich wusste zum ersten Mal nicht, was ich antworten sollte.

Ich präsentiere die Auswahl

Ich ging also meine Möglichkeiten systematisch durch und möchte euch meine Gedanken anhand des einfachen Satzes „Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine (insert sexy word for Geschlechtsteil here) eindringst“ präsentieren:

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine Vagina eindringst.“

Wahrscheinlich müsste ich bei dem Satz, unter der Verwendung des Wortes „Vagina“ wohl immer wieder dabei erwähnen, dass er dafür kein Vaginal-Spekula mitbringen muss und ich mich in meiner Phantasie gerade nicht auf einem gynäkologischen Stuhl sitzend, vorstelle.

OP-Vorbereitungs-Faktor: 89%

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine Fotze eindringst.“

Wenn ich das Wort „Fotze“ höre, geschweige denn aussprechen muss, bekomme ich das Bedürfnis wieder der Kirche beizutreten und mich im Weihwasser zu ertränken. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.

Ekel-Faktor: 100%

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in mein Loch / meine Ritze eindringst.“

Genau so gut könnte ich das Wort „Loch“ oder „Ritze“ durch „meine kleine primitive Neandertalhöhle“ ersetzen. Nein, einfach nein.

Steinzeitfaktor: 78%

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine Möse eindringst.“

Keine weitere Erklärung notwendig, siehe oben „Fotze“.

Porno-Faktor: Porno-Werner aus den 80ern hat angerufen und möchte sein Wort zurück

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine Scheide eindringst.“

Ich glaube, dass es keine nähere Erläuterung von mir braucht, weswegen ich dieses Wort nicht einmal zuende gedacht habe. Das Wort „Scheide“ verursacht in mir das Gleiche, wie Fingernägel, die in geduldiger Langsamkeit über eine Tafel kratzen. Würde ich das Wort Scheide verwenden, könnte ich auch direkt „Von der Gebärmutter nach außen führender, mit Schleimhaut ausgekleideter, schlauchartiger Teil meines Geschlechtsorgans“ sagen. Es ist für mich das Gleiche.

Cringe-Faktor: 99%

„Ich stelle mir vor, wie du von hinten in meine Muschi / Pussy eindringst.“

Muschi oder Pussy geht leider auch gar nicht. Beides wird auch synonym und verniedlichend für Katzen verwendet. Und möchten wir wirklich unser weibliches Geschlechtsteil mit einem flauschigen und meistens auch launischem Haustier gleichsetzen? Wohl kaum!

Flausch-Faktor: 67%

Und so geht es weiter, ob Glücksspirale, Blütenkelch, Artischocke, Zuckerschnecke, Venusfliegenfalle, Spalte, Lustgrotte, bei jedem dieser Wörter zieht sich mir ebendiese zusammen.

Woran liegt es, dass wir in Deutschland kein schönes, niveauvolles Wort für die weiblichen Geschlechtsteile „da unten“ besitzen? Und ist es in anderen Ländern überhaupt anders?

Ich möchte, dass mein Geschlechtsorgan von Deutschland endlich als erotisches Körperteil akzeptiert wird!

Sehr gerne hätte ich meinen Beitrag mit einem Fazit abgeschlossen und euch DAS perfekte Wort präsentiert und somit die deutsche Sprache revolutioniert. Das passiert heute leider nicht. Aber ich bin sehr offen für Vorschläge eures Lieblingswortes z.B. in den Kommentaren. Oder vielleicht kommentiert ihr noch mit anderen miesen Begrifflichkeiten, die euch mal so über den Weg gelaufen sind. Damit revolutionieren wir die deutsche Sprache nicht, haben aber zumindest gemeinsam ein paar spaßige unangenehme Gänsehautmomente.

Hier geht es zum Beitrag 6 Wege zum Orgasmus

Über den Autor

Mein Idol: Pipi Langstrumpf. Ein freches Mädchen, mit immer perfekt sitzender Frisur, Tendenz zur Rothaarigkeit, trägt viel zu kurze Kleider und liebt Strümpfe, lebt alleine in einer Villa Kunterbunt, ist das stärkste Mädchen auf der Welt, hat eine eigenwillige Moralvorstellung, ist ein wenig naiv aber immer für ihre Freunde da und rockt ihr Leben ganz ohne Mann oder Vaterfigur. Das bin ich.

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