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Weibliche Sexualität? Mehr davon, bitte!

Weibliche Sexualität

VON GAST

Ich hatte schon immer den Ruf einer „Schlampe“, in den letzten Jahren auch mal „fette Schlampe“ oder „Hure“. Dabei habe ich nie Geld dafür verlangt. Ich bin nur eine Frau die gerne Sex hat, ohne sich dafür zu schämen. 

Mit wechselnden Partnern, mit Männern und Frauen, zu zweit, zu dritt, oder auch mal zu viert. Wenn du das schon für vulgär hältst und „billig“, dann solltest du lieber nicht weiterlesen, wir wollen doch deinen Blutdruck nicht unnötig in die Höhe treiben. 

Weibliche Sexualität 

Frauen, die zu ihrer Lust stehen gelten als sonderbar, als unrein und werden von den meisten in der Gesellschaft diffamiert. Die weibliche Sexualität, wenn wir sie selbstbestimmt ausleben gilt oft als „schmutzig“. Vielen ist eine Frau mit vielen Sexualkontakten nicht geheuer, ihr werden Krankheiten angedichtet und ein unsittlicher Lebensstil, der sich nicht gehört, als wären wir im Jahr 1950. 

Als könnten wir nicht auf uns oder unsere Gesundheit aufpassen, müssen bevormundet werden, wenn wir uns nicht so benehmen wie es sich gesellschaftlich gehört, werden wir abgestraft. Aktuell lässt sich in der Abtreibugnsdebatte weltweit sehen, wie sehr versucht wird weibliche selbstbestimmte Sexualität abzustrafen und Kontrolle zu erlangen über die weibliche Lust und den weiblichen Körper. 

Hinter jedem Mann, der eine Frau flachgelegt hat, steht meist eine Frau, die Lust hatte auf Sex!

Dabei geht oft verloren, dass hinter jeder Angebergeschichte eines Mannes a la „…gestern habe ich die XY flachgelegt!“ eine Frau dahinter steht, die Lust hatte auf Sex. Diese werden aber oft dafür erniedrigt, während der Mann dafür gefeiert wird. Kennt ihr Frauen, die sich mit ihrer „Eroberung“ von letzter Nacht öffentlich brüsten, wie Männer es oft tun? Eben. Dabei ist die Lust auf Sex ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Ja, auch Frauen haben Lust auf Sex, auch wenn Mann in der Vergangenheit eine andere Sicht vertrat. Und das heute noch oft tut. Auch wünschen sich viele eine Frau, die erfahren ist im Bett, aber bedenken dabei nicht, dass diese Erfahrung ja von irgendwo kommen muss, sie wollen quasi eine jungfräuliche Hure. 

Weibliche Sexualität ja, aber nur wenn es dem Mann nützt

Wir haben 2020 und wissen es nun besser – sollte man meinen. Die meisten Männer akzeptieren weibliche Sexualität aber nur, wenn es ihnen zur Lustbefriedigung dient. Alles andere wird oft abgewertet, verleugnet oder diffamiert. Es wird versucht so, Kontrolle darüber zu erlangen.

Beispiel gefällig? Frauen, die Frauen lieben, heissen die meisten Männer gut. In Pornos, oder wenn sie von einem Dreier phantasieren. (Wo die meisten eh absolut nicht so agieren, wie sie dachten, dass sie agieren.)

In der Realität muss eine Lesbe „nur mal hart rangenommen werden“ oder hatte noch „keinen richtigen Mann“ damit sie erkennt, dass sie einen Mann braucht und keine Frau. Wiederrum möchten Männer aber nicht von anderen Männern hart rangenommen werden, damit sie erkennen, dass sie einen Mann brauchen in ihrem Leben.

Verrückt, nicht? Viele Männer haben sogar eine ausgeprägte Phobie gegen schwule Männer, wohl weil sie Angst haben, dass diese sie so behandeln, wie sie Frauen behandeln.  Von dummen Sprüchen, über unerwünschtes anfassen oder gar bedrängen. 

Ein Mann und seine Theorie 

Die weibliche Sexualität wird heutzutage leider immer noch als pervers hingestellt, die weibliche Masturbation sowieso. 

In der Vergangenheit hatte man sogar Namen für Frauen, die ihre Sexualität offen auslebten: „Nymphoman“. Dabei wurde impliziert, dass es nicht normal sei für Frauen Lust zu verspüren. Sexuelle Lust, der Lust wegen, die nichts mit Familienwunsch zu tun hat, oder mit ewiger Treue wurde als krankhaft hingestellt.  (Klar, es gibt auch Sexsucht, aber die gibt es bei beiden Geschlechtern!) 

Schuld daran war Freud, der Begründer der Penisneidtheorie der besagte, dass klitorale Orgasmen ein Zeichen sexueller und psychischer Unreife und sogar ein Anzeichen von Geisteskrankheit sein könnte. Diese Theorie haben viele wohl noch immer nicht überwunden, obwohl sie widerlegt ist. 

Die jungfräuliche Hure im Bett 

Noch immer hat so mancher auch die Idee im Kopf, dass Sex etwas ist, dass frau am besten nur mit maximal 3 Männern haben sollte, bevor sie den momentanen Lebensabschnittpartner kennenlernen, auch wenn die Frauen bereits Mitte oder Ende 30 sind. Unberührt sollte eine junge Frau im besten Fall sein, nicht wie ich, die ihr erstes Mal schon mit 14 hatte. Ja, ich war frühreif, es war meine Idee und er war im selben Alter. Wir haben es nie bereut. 

Und ja, wir haben verhütet. Mit ihm hatte ich dann auch zufällig meinen ersten Dreier, mit Anfang 20. Warum ich euch das erzähle? Weil es immer noch ein Tabu ist, dass Frauen oder junge Frauen ihre Sexualität selber in die Hand nehmen. Oder was hättet ihr gedacht, warum ich meine Jungfräulichkeit so jung „verloren“ habe? (Anmerkung: Ich finde dieses Konstrukt der Jungfräulichkeit „verlieren“ lächerlich!) 

Lasst mich raten: Älterer Freund, Druck, betrunken auf einer Party? Sorry. Ich muss euch enttäuschen. Ich hatte es geplant, ich nahm die Pille, ich brachte die Kondome mit, es war wunderschön und wir beide waren weder auf einer Party, noch irgendwie benebelt. Wir waren eh zu jung für irgendwelche Partys! 

Ich möchte mit diesem Beitrag darauf aufmerksam machen, dass wir uns alle mal entspannen sollten, besonders sexuell. Es ist ein Grundbedürfnis, wie Essen und Schlafen. Manche brauchen mehr, manche weniger. Manche essen vegan, andere nur Rohkost oder täglich Fleisch. Es gibt kein Konzept, dass für alle passt, wie eine Schablone. Jeder ist anders, in allen Bereichen des Lebens. DU musst ja nicht so leben, wenn es für dich so nicht stimmt. Nur lasst bitte andere leben, wie sie es für richtig halten, ohne ständig zu verurteilen oder zu beleidigen. Meist schimpfen Menschen auf andere Menschen, weil diese sich etwas erlauben, was man sich selber verwehrt! 

PS. Ich bin und war immer gesund und hatte noch nie irgendeine Geschlechtskrankheit oder sonst was, was Menschen sich zuziehen können, durch wechselnde Sexpartner. 

Von RWN empfohlen: Wenn wir schon beim Thema „Weibliche Sexualität“ sind, können wir auch mal über „Das da unten“ sprechen.

Zwei junge Ärztinnen haben ein Buch über weibliche Sexualität geschrieben. Im Interview erklären sie, warum Masturbation wichtig und eine Sexstellung politisch ist.

Titelbild: Foto von cottonbro von Pexels

Über die Autorin


Ich heiße Paula, bin 36 Jahre alt und blogge seit 5 Jahren unter Was man so nicht sagen darf zu kontroversen Themen rund um das Frausein, Selbstbestimmung und die Gesellschaft.

In meiner Freizeit gucke ich gerne in die Sterne, aber nicht um das Horoskop zu lesen, sondern um Planten und unser Universum zu erforschen. Aktuell lasse ich mich auch zum Intergral Coach ausbilden, um in Zukunft Frauen zu einem selbstbestimmten und selbstbewusstes Leben begleiten zu können.

Ich lese gern und viel, bin gern draussen unterwegs und liebe es Menschen aus ihrem Alltagstrott zu reissen. Seit 2007 habe ich Deutschland verlassen für die schöne Schweiz und würde nie wieder zurückkehren.

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