Küsse & Tränen

Herz ohne Verstand

Herz ohne Verstand

VON GAST

…und weil jede Geschichte zwei Seiten hat, hat ER nun seine Story erzählt.

Freitag, 12. April 2019, vormittags

Es war inzwischen ein paar Wochen her, als „sie“ mir schrieb: „spätestens am 12. April sehen wir uns wahrscheinlich eh…“ Was meinte sie? Wovon in Gottes Namen redet die Frau? Als ich dann nachfragte (sie muss mich für dümmer gehalten haben als sonst), kam als Antwort lediglich: „MARKI“. 

Klar… 

Mark Forster… 

Ich Depp… 

Warum hatte ich das vergessen? Hatte ich es (un)bewusst verdrängt? Wegen ihr? Vielleicht? Nein, das kann eigentlich nicht sein, schließlich hatten wir uns eine kleine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Warum also sollte ich Angst vor einem potentiellen Treffen haben? Noch dazu inmitten von ca. 16000 Menschen? Die Chancen sie nicht zu sehen waren also weitaus größer, als ihr in der Arena in die Arme zu laufen. Viel wichtiger als die Frage, warum ich dieses Konzert nicht auf dem Schirm hatte, war für mich in diesem Augenblick aber, warum hatte sie es? Vielleicht wegen mir? 

Sekunden nachdem mein Hirn sich anfing diese Frage zu stellen und nach der dazugehörigen Antwort zu suchen, ploppte aus einer kleinen imaginären Staubwolke, ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter auf und schrie mir, „wegen dem Forster und sicherlich nicht wegen dir du Idiot“ so laut ins Ohr, das mein Hirn prompt die Frage vergaß…

Einer dieser Augenblicke in dem ich kurz über meine eigene Blödheit, in dem Fall besser gesagt Naivität, schmunzeln musste.

Naja, mein Teufelchen verschwand in der gleichen Staubwolke, aus der es heraustrat und machte somit prompt Platz für Nervösität und Aufregung. Alter…. Was soll das? Wo kommt das her? Und warum? Als ich an dem Tag dann auf dem Weg nach Hause war, machte sich dann plötzlich etwas Aufregung in mir breit… Positive Aufregung.

Nachdem mich und meine Gedanken ja (Gott sei Dank) keiner hören kann, kann ich es mir ja eingestehen. Es gab den Hauch einer Chance sie in ca. anderthalb Stunden, für ein paar Minuten zu sehen (wie der Abend ablaufen sollte, konnte ja zu dem Zeitpunkt keiner wissen, aber dazu später mehr…) und dieser Gedanke bescherte mir ein leichtes Kribbeln im Bauch. 

Hier kann ich jetzt zwar nur für mich sprechen, aber dieses Kribbeln, das waren die sogenannten Schmetterlinge. Zack! Da waren sie wieder…

Herz ohne Verstand

Aufregung wich Nervosität und umgekehrt. Yupp ich war definitiv beides. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr. So sehr, dass ich nach der Arbeit, zu Hause, anfing zu trinken. Noch vor dem Konzert. Falls sie das nicht so oder so gemerkt hat, behalten wir das aber für uns. Nun denn…. Sie schrieb, dass sie schon da ist, ich befüllte mein Glas. Irgendwann „musste“ ich mich dann auf den Weg machen, also schnappte ich mir meine Mutter und los ging´s.

Wir kamen an der Arena an. „gar nicht so viel los…“ dachte ich. „Vielleicht sehen uns wir ja doch zufällig irgendwo“ und holte mir ein Bier. Beide Gedanken verflogen sogleich ich den Innenraum der Arena betrat.„Fuck… Wie voll ist das denn bitte?“, kein Durchkommen…

Da ich bekanntermaßen nicht so auf Menschen stehe, besonders nicht auf unfreiwilligen Körperkontakt, beschloss ich mich aus der Menge zu verziehen. „Viel Besser“ dachte ich als ich endlich hinten ankam. „Hier kommt sogar der Bierjunge durch“

Allerdings war mir bewusst, dass die Chancen sie zu sehen, durch meinen Menschenhass drastisch reduziert worden waren, da sie sich sehr wahrscheinlich, kreischend singend und tanzend, den Weg in die vorderen Reihen gebahnt hatte…

„Ich steh vorm FOH“

In ihrer nächsten Nachricht schrieb sie lediglich „Ich steh vorm FOH„. Hä? Wo? Was meint sie? Wo ist das FOH? Wo bin ich? Ein Moment völliger geistiger Überforderung. Vielleicht hatte ich einen Drink zu viel aber plötzlich bildete ich mir tatsächlich ein sie zu sehen. Ich behielt die Person im Auge und umso länger ich diese tanzende Silhouette beobachtete, desto vertrauter wurden mir die Bewegungen. Kann das sein? Ist sie es wirklich? Dann ein Kopfschwung, sie warf ihre Haare in die Luft.  Sie war es wirklich. Oh mein Gott… Da war sie. 

Und plötzlich schienen alle Menschen um mich herum still zu stehen. Mark hörte für einen kurzen Augenblick auf zu singen. Die Lichtshow auf der Bühne erlosch und sie wurde, als einzige, von dem Kegel eines einzelnen Scheinwerfers erhellt. So nahm ich plötzlich die ganze Veranstaltung wahr. Ich hatte nur noch Augen für sie. Sie tanzte, sang und hatte Spaß. Es tat so gut das zu sehen. Ich musste einfach zu ihr.

Also fing ich an mich durch die Massen zu zwängen, bis ich endlich vor ihr stand. Ihre Mutter sah und erkannte mich und mir wurde schlagartig bewusst, dass das Teufelchen heute mittag auf meiner Schulter recht hatte, der Pisser…. Ich wurde nämlich erstmal gar nicht wahrgenommen.

…23….24…25….Boom 

Da waren wir, standen uns tatsächlich inmitten der singenden und tanzenden Masse.

Es vergingen ein paar Sekunden bis wir uns endlich freudig in die Arme fielen… was für eine Umarmung….

Da war sie… Und es fühlte sich sooooo gut an. Ich konnte jetzt nicht einfach wieder gehen, also beschloss ich kurzerhand meine Mutter einfach dazu zu holen, schließlich hatte sie ihre ja auch dabei. So what could possible go wrong?!

Wie ein verliebter Teenager

Zu meiner persönlichen Überraschung muss ich mir eingestehen, dass mir die Show unerwartet gut gefallen hat. Also ließ ich mich drauf ein und fing an (und wehe hier lacht jetzt einer), mich im Rahmen meiner Möglichkeiten zum Takt der Musik zu bewegen. Muss ausgesehen haben, wie ne Litfaßsäule im Wind, geschmeidig bis zum Umfallen. 

Und plötzlich passierte es. Aus versehen? Beabsichtigt? Unbewusst? Unbewusst beabsichtigt? Eine gesunde Mischung aus allem? Und schon passierte es wieder…Unsere Hände berührten sich… Und griffen letztendlich auch zu. Und das sehr fest…

(Gefühlt: Stille, Stillstand, alles dreht sich nur um uns… Theatralische Pause…Ein Knall…Konfettiregen…Und die Chöre singen für uns, BOOM!!!)

Als ich diesen Tagtraum, J.D. wäre stolz auf mich gewesen, beendet hatte, sah ich meinen Arm entlang nach unten und….WIR HIELTEN HÄNDCHEN!!!

Gott wie klischeehaft aber ich fühlte mich wieder wie ein 13-jähriger, frisch verliebter Teenie.

Es fühlte sich so gut an. Es fühlte sich so richtig an. Es fühlte sich so an, als wäre nie etwas gewesen. „So soll es sein, so kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht.“ Es war einfach so pörföööökt. 

Die Tatsache, dass das den Abend noch geschätzte fünfmal und von Mal zu Mal immer intensiver passierte, sagte mir dass das kein Zufall war. Ich war glücklich. Und ich hatte das Gefühl, sie auch und das bedeutete mir so viel. Ich hätte mir zu dem Zeitpunkt im Leben nicht träumen lassen, dass ich diesen einen Moment, diesen kurzen Augenblick der ersten Berührung, in den nächsten Tagen, Wochen, ja sogar Monaten, so oft in meinen Kopf Revue passieren lasse würde. Was für eine tolle Zeit, was für eine tolle Frau. 

27 seconds….

Das Konzert war vorbei, wie immer wenn man die Zeit seines Lebens hat, verging die Zeit wie im Flug. War`s das? Wie geht es jetzt weiter? Geht es überhaupt weiter? Wir standen vor der Arena als sich plötzlich ein unerwartetes Zeitfenster öffnete.

27 Sekunden…Meine Mutter auf Toilette. Ihre Mutter holte Jacken.

Da standen wir. Sie und ich. Ohne Erziehungsberechtige, ohne Aufsichtsperson. 

Da standen wir. Sie und ich. Ohne Erziehungsberechtige, ohne Aufsichtsperson. 

Und wir starrten uns an. Ich meine das haben wir früher schon oft gemacht aber dieses Starren war irgendwie anders. Es kribbelte wieder (#Schmetterlinge). Alles in mir schrie „Küss sie“. Kopf, Herz, Bauch, linke Kniescheibe, einfach alles. Gefühlte 16000 Menschen schrien, „Küss sie“. Der  Teufel auf meiner Schulter schrie, „küss sie“. Ihr Blick schrie „Küss mich!“

Aber irgendwas in mir hielt mich zurück. WTF?!? Ich habe noch nie, so wertvolle 27 Sekunden vergeudet und ich hasste mich prompt dafür. Diese 27 Sekunden haben mir gezeigt, dass ich immer noch unbeschreiblich viel für diese Frau empfinde.

Ich musste was tun… Irgendwas. Die Zeit in der keiner von uns etwas sagte wurde langsam unangenehm lang. Erschwerend hinzu kam, dass unsere Mütter jederzeit wieder auftauchen könnten…Also los, mach was du Idiot. Sag was…. Irgendwas…. 

„Du bist so scheiße….“

„Du bist so scheiße…“

„Du bist so scheiße…“ war offensichtlich meine Art, der Begeisterung über den Abend Ausdruck zu verleihen. „Du bist so scheiße…“ waren die Worte die ich wählte, um ihr zu sagen, wie umwerfend ich die vergangenen 120 Minuten mit ihr fand. „Du bist so scheiße…“ sagte ich ihr, anstatt sie einfach an mich ran zu ziehen und sie zu küssen… 

Großartig…  

Der Held der Stunde… 

Was ein Depp…   

Der Teufel auf meiner Schulter, die 16000 Menschen und meine linke Kniescheibe verdrehten entsetzt die Augen und schlugen sich mit lauten seufzen die Hand vors Gesicht. Machen wir uns nichts vor. In diesen kurzen Augenblick war nur einer scheiße… 

Ich bin mir sicher, dass in unserer Gesellschaft der Satz „Du bist so scheiße“ zu 99,999% einfach „Du bist so scheiße“ bedeutet, aber nicht so in diesem Fall. In diesem Fall bedeutete „Du bist so scheiße“ soviel wie:  

„Schön, dass du da warst“ 

„Das war ein wunderschöner Abend“

„Ich habe dich vermisst“ 

„Du siehst umwerfend aus“

„Es hat mich riesig gefreut dich zu sehen“

„Ich habe kribbeln im Bauch wenn du mich ansiehst“

Und das sind nur ein paar Möglichkeiten diesen Satz zu übersetzen. Aber manchmal, in ganz seltenen Fällen bedeutet „Du bist so scheiße“ auch einfach nur ICH LIEBE DICH.

Zu IHRER Version von „Herz ohne Verstand“, click auf den Link: Herz und Verstand

Über den Autor

Stories aus dem echten Leben. Ungefiltert. Bunt. Laut. Ehrlich. Hier wird nicht kritisiert, sondern analysiert und höchstens therapiert. Und wenn wir keine Antwort auf das „Warum“ finden, stoßen wir bei „Egal“ darauf an.

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