Gedanken Laut Gedacht

Ich trage pink…

Ich trage Pink

…und rede über Politik

Ich sage es wie es ist: Ich war kein Taylor Swift-Fan. Ich fand Ihre Musik ganz ok, aber sie hatte es nie in meine Favoriten-Liste geschafft. Umso überraschter war ich von mir selbst als ich Miss Americana für meinen Friday-Night-Netflix-and-Chill auswählte. Die gute Taylor präsentierte beim diesjährigen Sundance Film Festival eine Dokumentation über Ihr Leben, und was soll ich sagen…ich bin jetzt offiziell eine Swiftie. Denn genau wie Taylor, auch ich trage Pink und rede über Politik.

Okay, ich werde mit Sicherheit nicht meine Wohnung mit Postern von Ihr tapezieren, aber ich bin begeistert von Ihrer Ehrlichkeit und Stärke und wie sie gelernt hat, Ihre Stimme nicht nur für die Musik einzusetzen, sondern auch für Themen wie Politik, Feminismus, Branchen-Sexismus und die nicht-existierende Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau.

„A nice girl smiles and waves and says thank you.”

Taylor erzählt wie sie jahrelang genötigt wurde, sich zurück zu halten und ihre Meinung nicht zu äußern. Als Frau in der Entertainment-Branche erwartet die Gesellschaft von Ihr, dass Sie Menschen vergnügt, Beauty-Standards einhält und sich immer in bester Laune präsentiert.  Keiner wollte ihre Stellungnahme zur politischen Situation in Amerika hören, weil es als Frau nicht Ihre Aufgabe war. Schon gar nicht als junge Frau in ihren early-20’s.

Und das brachte mich zum Grübeln. LEIDER (und ich schreibe es bewusst in groß) muss nicht nur Taylor Swift gegen diese veraltete Einstellung kämpfen, sondern wir alle. Und mit „wir alle“ meine ich alle Frauen – egal in welchem Alter – die so sind wie sie sein wollen und nicht wie die Gesellschaft es von ihnen erwartet. 

Wir Frauen „dürfen“ keine Meinung haben. Das Haus ungeschminkt in Jogginghose verlassen ist nicht angemessen. Nicht nicht Sport machen, weil wir sonst ein bisschen zu viel Bauch, Beine oder Arme hätten, ist absolut ausgeschlossen! 3x die Woche Pizza essen, Alkohol trinken oder es mal eine Nacht mit unseren Freunden eskalieren lassen, weil es nicht „ladylike“ ist und sich „nicht gehört“. Wir „dürfen“ nicht nicht mit Ende zwanzig keine Beziehung führen, alles andere verpasst uns den Mangelware-Stempel.

Ich trage Pink und rede über Politik. Weil ich es kann.

„I want to wear pink and tell you how I feel about politics. And I don’t think that those things have to cancel each other out“.

Wie Taylor so schön in Ihrem Netflix-Debut sagt: „Ich möchte Pink tragen und Dir meine Meinung zur Politik sagen“. Ich trage auch Pink. Und rede über Politik. Egal wie sehr wir als Frau gewisse Klischees erfüllen (manchmal sogar öfter als wir wollen, und das meine ich nicht Negativ): Unsere Meinung zählt trotzdem!

Wir DÜRFEN (und SOLLTEN!! sogar) eine politische Meinung haben. Wir DÜRFEN selber entscheiden, ob wir uns stundenlang „gesellschaftsfähig“ machen bevor wir das Haus verlassen oder ob wir lieber in Jogginghose einkaufen gehen. Wir DÜRFEN so viel Essen, wie wir wollen (auch wenn es diese Woche schon die 3. Pizza wäre). Wir DÜRFEN auf dem Sofa liegen bleiben, wenn uns danach ist. Wir DÜRFEN uns gegen ein Jahres-Abo im Fitnesstudio und für einen ganzes Schoko-Sixpack entscheiden.  

Zumindest SOLLTEN wir das alles DÜRFEN ohne dass man uns dafür be- oder verurteilt. Wir sollten für die Person wahrgenommen werden, die wir sind. So wie wir sind. Und nicht anders.

Wir sollten uns also nicht zurückhalten. Frauen haben auch das Recht Ihre Meinung zu äußern. Wir müssen uns trauen, weil wir es können. Weil vor nicht allzu langer Zeit, Frauen eine Meinung hatten, diese aber nicht äußern durften.

Es bleibt also an uns, all die Taylors dieser Welt, unsere Stimme einzusetzen, um zu zeigen das wir viel mehr sind als die Gesellschaft glaubt. Viel viel mehr. 

Also traut euch. Seid laut. Seid bunt. Tragt Pink. Äußert euch zu Politik. Oder beides.

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Über den Autor

Die Welt ist meine Heimat, der Ozean meine Energiequelle und Salzwasser meine Blutgruppe. Mein Gesicht ist ein offenes Buch, meine Emotionen habe ich nach 28 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle und meine Augen sprechen für mich, ob ich es will oder nicht.

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