Gedanken

Einer dieser Tage – Ode an die Periode

Einer dieser Tage

Heute ist „one of those days“. Einer dieser Tage, an denen man am liebsten den ganzen Tag in der Lieblings-Kuschel-Decke (MUST-HAVE!) eingewickelt ist, während man darauf wartet, dass Ashton Kutscher mit einer CD voller Heul-Songs und einer Kiste Donuts vorbeischaut. Nicht falsch verstehen, ich bin nicht traurig. Ich kriege nur Pflichtbesuch. Die Art von Besuch die man nicht mag, aber nicht umgehen kann (und ich manchen Fällen nicht umgehen möchte). Die Art von Pflichtbesuch, die den weiblichen Körper in einen Hormonen-Cocktail verwandelt. Die Frauen unter uns wissen wovon ich spreche.  

All das ist absolut kein Vorwurf an den weiblichen Körper. Ganz im Gegenteil. Ich bewundere die Tatsache, dass unsere Körper in der Lage sind kleine Mini-Me’s in weniger als ein Jahr herzustellen. Fast wie eine Wunder-Fabrik. Manchmal ist es nur schwierig eine Wunder-Fabrik zu vergöttern, wenn Zeus dich seinen Zorn in jeder einzelnen Körperzelle monatlich spüren lässt.  

Heute ist einer dieser Tage.

Dein Wecker klingelt um 06:30 Uhr, irgendwie schaffst Du es die Schlummer-Taste deines Handys zu drücken (oder zumindest bildest Du es dir ein, weil das Ding keine Geräusche mehr von sich gibt), du bedankst dich bei den Göttern (nicht die griechischen, die anderen), dass heute Freitag ist, drehst dich nochmal für weitere 5 Minuten um. Die weiteren 5 Minuten werden zu 45 Minuten, bis Du feststellst das Du aufstehen musst, es sei denn du möchtest in PJs arbeiten (mich würde es nicht stören würde) und dabei aussehen wie ein Waschbär auf Drogen.

Also stehst Du auf und schnell verwandelt sich der „TGIF“-Modus in „Sprich-mich-an-und-Du-stirbst-Modus, denn dann fühlst Du es. Die Schmerzen. Du könntest nicht genau sagen wo es weh tut, denn keiner weiß genau was oder wo es weh tut, wenn das Hormone-Shaking passiert. 

Dein Körper fühlt sich so an als hätte es jeden Tag, 100 Jahre lang, den Harlem Shake gemacht. Deine Brüste sind geschwollen wie gigantische Pomelos und jede Berührung bedeutet Schmerz. Deine Füße sehen aus als hätten Sie soeben Mittelerde hinter sich gebracht, dein Gesicht sieht aus wie der Ätna und dein einziger Wunsch ist es dich selbst in den Arm zu nehmen (nicht schmerzlindernd übrigens, aber gut for the feeling und so).

Du versuchst nicht über deinen Körper zu stolpern, während du dich anziehst, machst das Make-Up-Ding nur um so auszusehen, als hätte Jackson Pollock das Kunststück des Jahrhunderts gezaubert und trinkst deinen Kaffee ähnlich wie eine chinesische Winkekatze (in der Hoffnung das dein Körper diese Bewegung nicht wahrnimmt). 

Du verlässt das Haus und hoffst auf dem Weg ins Auto keinem Lebewesen zu begegnen. Während der Fahrt zur Arbeit hörst Du die traurigsten Songs die Spotify zu bieten hat (weil Ashton Kutscher es verpennt hat, die CD vorbei zu bringen) weil alles weh tut und du einfach nur sterben willst. Du versucht deinen inneren Smaug zu kontrollieren und nicht alles in Brand zu stecken, während deine Kollegen dich so behandeln als hätten sie dich 3 Wochen lang nicht gesehen. Und das für ca. 8 weitere Stunden.

Nach den längsten 8 Stunden deines Lebens, schaffst Du es endlich nach Hause. In deinem Kopf organisierst du alles was du brauchst:

  • Netflix / Prime (you choose…oder mach es wie ich, nimm beides)
  • Einhorn-Pijama
  • XXL Kuschel-Decke (damit du dich und die Decke in eine 160 cm große Sushi-rolle verwandeln kannst) 
  • Eine Flasche was auch immer Du zum Heulen, lachen, hassen, lieben (Reihenfolge nicht in Stein gemeißelt) brauchst
  • Sehr. Viele. Snacks. (Siehe Lorelai und Rory Gilmore)

Wenn Du endlich soweit vorbereite bist, dich tot zu fressen, ruft dich jemand an und fragt ob du ausgehen willst (in meinem Fall wäre es eine Nachricht oder Audio, weil unsere Religion Nicht-Telefonieren heißt).  Ehe du dich versiehst, hat dein Mund ein “ja natürlich“ formuliert und Du hasst dich prompt dafür. Doch du gehst mit deinen Freunden aus, weil „frische Luft könnte ja gut tun”. 

Du gehst aus, hast Spaß (oder auch nicht) und irgendwann, schaffst Du es wieder nach Hause. Es ist 2 Uhr morgens also gehst Du direkt schlafen, ohne Netflix und Fresskoma. 

Plötzlich, mitten in der Nacht, fühlt sich dein Körper an, als würden 1000 weiße Wanderer sich ein Festmahl mit deinen Innereien gönnen. Es schmerzt. Es schmerzt unfuckingfassbar viel.  Und dann wird Dir bewusst, das der Besuch da ist. Du hasst und liebst es zugleich, und dafür gibt es 2 Gründe: du hasst es weil es gibt nicht wirklich viel, was du gegen den Schmerz tun könntest außer dich mit Ibuprofen vollzustopfen und warten; und du liebst es weil es bedeutet deine Wunder-Fabrik produziert gerade keine Mini-Mes (oder zumindest so ging es mir damals, als meine sexuelle Aktivität nicht im Urlaub war – gute Zeiten!).

Du fühlst dich hilflos und kraftlos. Dein Körper scheint als hätte es alle weiteren Fähigkeiten verloren und sich dem Schmerz hingegeben. Der Schmerz ist in deinem Magen, deinen Armen, deinen Beinen und Füßen. Du versuchst dich nicht zu bewegen. Du siehst wie frisch vom LKW überfahren aus, versuchst es aber auch nicht zu verstecken (weil wozu?).

Meine Periode, meine Oma-Schlübber (guckt nicht so, jede Frau besitzt Oma-Schlübbis) und Ich, haben dieses Ménage-à-trois seit ca. 17 Jahre durchgezogen. Voller Stolz kann ich behaupten, dass es die längste-nicht-funktionierende-aber-konstanteste-Beziehung meines Lebens ist. Und das werde ich bis zur Ankunft meiner Wechseljahre durchziehen. 

 Jetzt bin ich auf der Arbeit und versuche wach zu bleiben, mich dabei nicht zu bewegen und so auszuschauen als hätte ich gerade the time of my life.  Und wenn die drölf stunden vorbei sind, warten meine Einhorn-Pijamas und meine Kuschel-Decke auf mich. Auf einer dieser Tage. 

Weitere „Gedanken“ gibt es auf Laut Gedacht.

Über den Autor

Die Welt ist meine Heimat, der Ozean meine Energiequelle und Salzwasser meine Blutgruppe. Mein Gesicht ist ein offenes Buch, meine Emotionen habe ich nach 28 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle und meine Augen sprechen für mich, ob ich es will oder nicht.

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