Küsse & Tränen

Du und Ich: irgendwann Happy (Teil 3)

Du und ich

Wie fängt man den letzten Teil einer Story an, die man noch nicht bereit ist zu beenden? Wenn nach 999 Teilen, nur noch ein Puzzleteil fehlt, um das Werk zu vervollständigen? Weil, auch wenn jeder unserer Schritte Probleme bereitet hat, waren wir füreinander letztendlich doch dieses eine fehlende Puzzleteil.

Seit meiner „Bin gerade meeeega neidisch”-Nachricht sind mittlerweile 3 Jahre vergangen. Eine Nachricht die uns ins Rollen brachte. 3 Jahre seit aus mir, „wir“ wurde. Seit „Du und Ich“ eine völlig neue Bedeutung bekam. Ohne dass „wir“ es merkten. Bis zum 12. April 2019. Als „Du bist so Scheiße“ eine neue Umschreibung für „Ich liebe Dich“ wurde.

Ich hab‘ Bock auf’n Comeback, Baby

Nachdem wir uns am 12. April 2019 in der Lanxess Arena inmitten von 16000 anderen, ungewollt gewollt, gefunden hatten, wurde uns klar, dass wir noch lange nicht vorbei waren. Der bittersüße Abschied nach dem Konzert sowie die darauffolgende 3-Stündige Konversation auf WhatsApp verriet mir (und ich denke auch ihm), dass da noch viel Klärungsbedarf war. 

Somit machte ich mich am nächsten Morgen, nach einer warmen Dusche und eine sehr großzügigen Tasse Kaffee, wieder an das Puzzle heran. Ich kann bis heute nicht sagen wieso, aber nach dem Konzert war ich auf einmal in der Lage meine Gedanken und Gefühle J. gegenüber schriftlich festzuhalten. Ganze 4 Stunden und 2609 Wörter später, klickte ich auf „Senden“ und dachte mir „now it’s up to him“. Eine Fortsetzung meiner ersten E-Mail folgte einige Tage später. Da war es, „mein Seelenstriptease“, wie er meine Mails später taufte.

Einige Wochen später schaffte ich es, nicht ohne Mühe, Ihn zu überzeugen dass ein Treffen (diesmal ohne Mütter, Mark Forster und 16000 anderen) angebracht wäre. Ich holte ihn ab und gemeinsam fuhren wir zu den Poller Wiesen. Ironischerweise war dies einer der letzten Orte, die wir zusammen besucht hatten, bevor ich im März 2018 die Sache zwischen uns beendete. Wenn J. das hier lesen würde, würde er jetzt sagen: „Du weißt das noch?“ Oh ja, ich weiß es noch. Denn schon damals wusste ich, dass es besser mit als ohne ihn war. Ich konnte es ihm nur nicht wirklich zeigen.   

Soweit voneinander entfernt wie mein Toyota es zuließ (oder auch nicht), saßen wir da und unterhielten uns über das Konzert, meinen Seelenstriptease und über uns. Im Schutz meines Autos und in Abwesenheit unserer Mütter, wurde die Distanz zwischen uns immer kleiner und die Anspannung immer grösser. Ich erinnere mich noch daran, wie er lachte als ich unser Gespräch unterbrach, um mein Playback-Talent zu „Move Along“ von The All American Rejects zu beweisen. Eigentlich sollte meine kurze Karaoke-Session diese Anspannung zwischen uns lösen. Aber es passierte genau das Gegenteil. Es wurde noch intensiver als vorher. Er hielt meine Hand fest, ich lehnte mein Kopf an seiner Schulter. Ich drehte mein Gesicht zu ihm und schaute tief in seinen Grün-Braunen-Augen. 

Wir starrten uns wieder an. 27 Sekunden lang. Meine innere Stimme flüsterte in meinem Ohr: „Du bist so Scheiße“. Ich erinnerte mich an das Konzert und die Chöre, den Konfettiregen, die Melodien, wie unsere Hände sich fanden. Bauch, Kopf, innere Stimme, ja sogar meine linke Kniescheibe, hielten den Atem an. Und dann küsste ich ihn. Er erwiderte den Kuss. In meinem Körper brach ein Feuerwerk der Gefühle aus. Ähnlich wie wenn die Kölner Lichter die Stadt erleuchten. Die Schmetterlinge im Bauch kribbelten, mein Herz raste, die Chöre sangen für uns. In diesem Augenblick war ich mir sicher: Wir hatten Bock auf’n Comeback!

Flash mich nochmal, als wär’s das erste Mal

Alles was danach passierte, war wie ein Traum. Es war genau wie vor 2 Jahren. Doch diesmal war es anders. Gut anders. Sehr gut anders sogar. 

An dieser Stelle sollte ich vielleicht kurz erklären was ich mit „anders“ meine. J. war die erste Person, für die ich Gefühle entwickelte, nach meiner letzten Beziehung (die zu dem Zeitpunkt knapp 2 Jahre vorbei war). Ich tat mich zu dem Zeitpunkt unseres Kennenlernens sehr schwer damit, meine Gefühle freien Lauf zu lassen. „Einfach mal machen und schauen, was passiert, könnte ja gut werden“ war einfach nicht mein Stil. Ist es bis heute nicht, aber ich arbeite daran.

Ich blockte ihn also sehr häufig ab. Mindestens genau so oft wie ich ihn mit einer Ich-mag-dich-irgendwie-doch-Aktion überraschte. Immer wenn er Interesse zeigte und mich fragte „Was machst Du?“ rastete ich innerlich aus und holte die Elsa in mir zum Vorschein (woher glaubt Ihr kommt die Inspiration für Frozen?). Die Begründung? Ganz einfach: a) ich war es nicht gewohnt, dass sich jemand für mich interessierte und b) ging deswegen davon aus, dass er mich kontrollieren wollte.  Ich hatte furchtbare Angst verletzt zu werden. Also hielt ich es für schlauer mich unantastbar zu machen. 

Fazit: Meine Signale waren sehr gemischt. Es ist also kein Wunder, dass er mich damals nicht wirklich „lesen“ konnte. 

Diesmal, fast 2 Jahre später war es anders. Nicht weil ich ein neuer Mensch bin und mich gefunden habe. Sondern weil ein sehr guter Freund von mir, mich mehrmals daran erinnert hat nicht alles zu überdenken. Er sagte immer: das Leben ist zum Genießen da, und nicht zum Überdenken. 

Es war anders, weil ich es nicht überdenken wollte. Ich wollte einfach mal schauen was passiert und „es“ – was auch immer „es“ war – zulassen. Diesmal war es also „sehr gut anders“ weil ich es zuließ. Meine Gefühle, das Kribbeln im Bauch. Und alle Konsequenzen die zu Gefühlen dazu gehören. Und weil ich es zuließ hatten wir den schönsten Sommer, Herbst und Winter, den wir je gemeinsam hatten. Wir flashten uns nochmal, als wäre es das erste Mal.

Die zweiten ersten Spaziergänge am Rhein nach Feierabend. Die versteckten Küsse in den Kölner Gassen. Die nicht-geplanten-geplanten Pub-Abende mit Freunden. Die ausgearteten Konversationen bis 03:00 Uhr morgens. Die „Ich-glaube-dieser-Song-könnte-Dir-gefallen“-Songs. Die „Ich-habe-diesen-Meme-gesehen-und-musste-sofort-an-dich-denken“-Memes. Blicke. Berührungen. Umarmungen. Gefühle. Handgeschriebene Briefe. Bucket-Lists. Hunde-Namen. Einen Ring aus Plastik. Hochzeitspläne. Ja, sogar Hochzeitspläne.

Worte die Bleiben

Doch von all diesen Momenten, war der Moment, an dem ich J. anschaute und „Ich liebe Dich“ sagte, der wohl allerwichtigste. Nicht nur der allerwichtigste Moment, sondern auch das unfassbar schönste und gleichzeitig traurigste Gespräch, das wir je geführt haben (um seine Beschreibung zu zitieren).

Ich sagte „Ich liebe Dich…“ unter Tränen, während ich seine Wangen streichelte. Er starrte mich mit seinen Grün-Braunen-Augen an, atmete schwer und wartete. Leise sprach ich weiter: „Ich liebe Dich…ich kann aber nicht mehr. Ich kann nicht mehr die dritte Person in deiner Beziehung sein.“

It’s true. J. war in einer Beziehung. Und zwar nicht seit vorgestern. Aber irgendwie hätte man sich ja denken können, dass diese Story kein Happy End hat. Warum sonst sollte die Überschrift dieser Seite „Er wird’s nicht“ heißen?

Er war also in einer Beziehung. Mit einer anderen Frau. Ich war nur Bonus. Und das bedeutete, dass, mit 100 % Wahrscheinlichkeit, ich die Verliererin sein würde.  Aus Erfahrung wusste ich das sogar sehr genau. Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum das ich eine schlechte Verliererin bin. Ich hatte lediglich den Punkt erreicht, an dem mir Bewusst wurde, dass dieser Kampf aussichtslos war. Ich traf die Entscheidung zu gehen mit Bauch, Kopf, Herz und Verstand. Auch wenn es weh tat. Aber manchmal ist ein Rückzug, solange man noch die Chance dazu hat, die beste Lösung.  

Es reichte einfach nicht, dass ich ihn liebte und er mich. Oder das ich wusste wer Travis Baker ist und dafür +500 Sympathiepunkte bei ihm gewonnen hatte. Oder dass wir eine eigene Sprache zusammen entwickelt haben in der das Flugzeug-Emoji als Synonym für „Themenwechsel“ steht. Und wir 2 unterschiedliche Gespräche, meistens sogar auf verschiedenen Sprachen, zeitgleich führen können (ein hoch auf die Erfindung von Klammern als Satzzeichen!). Es ging nie darum, dass wir uns nicht blind verstehen. Oder dass es nicht tausend Liebes-Lieder gibt, die uns und unsere Gefühle beschreiben. Es ging lediglich darum, dass ich nicht bereit war nur ein Konfettiexplosions-Moment inmitten des Konzerts zu sein. Ich wollte die ganze Show sein. Inklusive Zugabe. 

“If you have chemistry, you only need one other thing. Timing. But timing’s a bitch.”

Wir hatten alles. Nur nicht Timing. 

Du und Ich. Irgendwann Happy.

Als ich J. kennenlernte wollte ich mich nicht verlieben. Weil ich dachte, dass sobald die richtige Person auftaucht, mein Herz sich ganz von alleine öffnen und ich es spüren würde ohne dass ich etwas dagegen tun könnte. 

Heute weiß ich, dass es nicht so ist, wie die Liebe funktioniert. Ich hätte mich mit Sicherheit vor J. in jemand anderes verlieben können. Möglichkeiten gab es definitiv. Ich habe es nur nie zugelassen, weil ich Angst vor Gefühlen, dem Kribbeln und den Schmerzen hatte. Angst die Kontrolle zu verlieren. Angst vor dem Unwissen. Heute weiß ich, dass Liebe nicht planbar ist und manchmal ganz unerwartet kommt. Unerwartet und mit ganz viel Gepäck. 

J. hat mir gezeigt, dass zu „das Leben genießen, und nicht überdenken“ auch das extra-Gepäck dazugehört. Mit all seinen neon-bunten Farben, mit all seinen hellen und dunklen Tagen. Das wird uns für immer forever verbinden. Und das ist nicht der einzige Grund weshalb ich ihn immer lieb haben werde. 

„Wie eine Konfettiexplosion inmitten eines Konzertes. Es ist wunderschön, es glitzert und funkt und kommt unerwartet. Tatsächlich bleibt aber auch der Konfettiregen nicht ewig in der Luft, sondern verliert an Höhe und kommt irgendwann zu Boden.“

So war unsere Geschichte. Und sie war wunderschön.

Deswegen, auch wenn wir gerade getrennte Wege gehen… sind wir vielleicht irgendwann Happy. Denn wenn sich alles in Kreisen bewegt… 

Wenn Du die gesamte Story lesen willst, dann klick unter folgenden Links:

Bauch und Kopf (Teil 1)

Herz und Verstand (Teil 2)

Über den Autor

Die Welt ist meine Heimat, der Ozean meine Energiequelle und Salzwasser meine Blutgruppe. Mein Gesicht ist ein offenes Buch, meine Emotionen habe ich nach 28 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle und meine Augen sprechen für mich, ob ich es will oder nicht.

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