Er wird's nicht Küsse & Tränen

24 Stunden Mallorca (und wie keiner es wurde)

Mallorca

…oder wie man aus “Machst du eh nicht!“ eine ereignisreiche 24-stündige Reise nach Mallorca zaubert. 

Von „Machst Du eh nicht“ zu „Buchungsbestätigung“

Sommer 2016. Meine 7-jährige Beziehung war im Mai beendet worden und ich war auf der Jagd nach Frischfleisch. Das Niveau meiner Ansprüche: unterirdisch. Mir war alles egal. Hauptsache die Beute war funktionsfähig. Ihr wisst schon.

Mein Ziel: mir zu beweisen, dass ich es nach einer so langen Beziehung [noch] draufhabe (was auch immer ich damals unter „drauf haben“ verstand). Parallel wollte ich die Männerwelt erkunden, denn die war für mich Neuland.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass ich im Mai – genau 15 Tage vor der Trennung – einen neuen Job anfing. Und wie der Zufall so wollte, fand ich dort meine erste Beute. Nennen wir ihn Logan. Ja, wie bei den Gilmore Girls. Weil man mit ein wenig ganz viel Fantasie eine leichte Ähnlichkeit sehen würde. Also äußerlich. Denn „mein“ Logan hatte damals mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht den gleichen Kontostand wie Rory’s Logan und definitiv nicht die notwendigen Gehirnzellen für den Einzug in ein IVY-League College. Er hatte 2 Arme, 2 Beine und…

Wie gesagt. Mein Anspruch war unterirdisch. 

Wir lernten uns also auf der Arbeit kennen. Anfangs dachte der Gute, ich sei die neue Praktikantin und behandelte mich wie ein Stück Scheiße. Irgendwann bemerkte er, dass wir tatsächlich gleichgestellt waren und der einzige Unterschied zwischen uns darin bestand, dass ich neu war und er nicht. Ab diesem Zeitpunkt wurde unser Verhältnis kollegialer und wir tauschten sogar Nummern aus. 

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich heutzutage sein Verhalten von Anfang an hinterfragt und ihm lediglich eine ausgedachte Telefonnummer zugesteckt hätte. Weil es niemanden zu interessieren hat, ob man Praktikant, Chef oder Hausmeister ist. Man behandelt ALLE gleich. Und zwar respektvoll. Aber zurück zum Thema. 

Wir tauschten also unsere Nummern, schrieben 2-3 Mal miteinander und aus mir unerklärlichen Gründen fand ich ihn seeeehr geil. In seiner Gegenwart mutierte ich zum hilflosen Reh im Löwengehege. #notproud

Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kam, aber nach einem stressigen Tag auf der Arbeit, gönnten wir uns gemeinsam ein Bierchen. Dabei verriet mir Blondie seine Urlaubspläne: 10 Tage auf Malle mit seinen 13 Kumpels im All-In-Hotel am Ballerman. 

Im Normalfall wäre da bei mir Ende gewesen, weil es gibt – meiner Meinung nach – nichts schlimmeres als Ballerman, Schlager und betrunkene Deutsche auf einer Insel. Aber ich war ja auf der Jagd, so hörte ich nur das was ich hören wollte und sagte: – „Ohh Mallorca… da hätte ich auch Lust drauf“. Auf sein „Komm doch mit“ erwiderte ich nur „Sag’s mir nicht 2-mal“. Dann sagte er: „Machst Du eh nicht“. 

Der Gute. Ich glaube, er hatte nicht die leiseste Ahnung, was er da gesagt hatte. Denn wenn mein Gehirn die Wörter „Machst du eh nicht“ hört, schaltet es automatisch in den Watch-me-Modus.

Einige Stunden später saß ich Zuhause vor meinem Laptop und grinste breit. Dann klickte ich auf „Buchen“. 

Von Köln nach Barcelona nach Mallorca

Einige Wochen später, am 01. August, öffneten sich die Türen und ich verließ das Terminal. Sofort spürte ich die warme Sommerluft Barcelonas. Ich atmete einmal tief ein und hörte ein lautes „Kaaaaa“. Ich sah mich um und erkannte meine beste Freundin. Sie winkte mir energisch aus einiger Entfernung zu. 

Zum Kontext: Laura und ich kannten uns aus der Uni. Wir lernten uns am ersten Tag des ersten Semesters kennen und wurden direkt unzertrennlich. Als ich mich nach unserem Abschluss dazu entschied, nach Deutschland zu ziehen, beschlossen wir uns alle 3 Monate zu sehen. Ob ich zu Ihr nach Barcelona flog, sie zu mir nach Köln oder wir uns irgendwo in einer unbekannten europäischen Hauptstadt trafen war egal. Hauptsache wir sahen uns. Mein Trip nach Barcelona war also schon lange geplant gewesen (schon bevor Blondies Existenz mir bekannt war).

Während der Fahrt erklärte Sie mir den Plan für die nächsten Tage. Ihre Familie hatte eine Ferienwohnung in Calafell – ein kleines Dorf am Strand in der Provinz von Tarragona – gemietet und wir würden die nächsten Tage dort verbringen. Die Kurzfassung des Plans: am Strand liegen und nichts tun. Eine Woche lang. 

Was Laura nicht wusste: ich hatte Flugtickets für uns beide gebucht. Nach Mallorca. Für den nächsten Tag. 

Nach dem Abendessen quatschten wir in unserem Zimmer während ich meinen Koffer auspackte. Als Laura fragte, ob wir morgen direkt zum Strand gehen sollten, sagte ich grinsend: – „Das wird sich schwer vermeiden lassen“.

Laura, die mich besser kennt als kein anderer auf diesem Planeten, sah mein Grinsen und sagte: oh nein…was hast Du angestellt?

Grinsend zeigte ich Ihr die Buchungsbestätigung unserer Flüge und packte gleichzeitig 2 T-Shirts aus. Unser Lachflash war nicht mehr zu stoppen.

Knapp 10 Stunden später schlenderten wir mit unseren Malle-Shirts, farblich passende Shorts und Blümchen in den Haaren durch Terminal 1 von Barcelona „El Prat“. Wenn wir etwas machen, dann richtig. 

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Von Deutscher zu Italiener…

Auf Malle angekommen begaben wir uns auf Beutesuche. Logan und seine 13 Gefährten waren bereits am Vortag gelandet und durften nicht schwer zu finden sein. Und nein, er wusste nichts von meinem Plan und ich schickte ihm auch keine Nachricht nach unserer Ankunft. Das wäre zu einfach gewesen. 

Wir schlenderten durch S’Arenal, schauten uns im Bierkönig um, schämten uns fremd, gingen in den Megapark und schämten uns noch mehr. Dann spazierten wir eine Weile an der Strandmeile und plötzlich stupste Laura mich von der Seite an. Sie zeigte auf einen blonden Mann, ca. 100 Meter von uns entfernt. Dann schrie sie seinen Namen und der Typ schaute verwirrt zu uns her. Da war er. Logan. Und ich mutierte wieder zum hilflosen Reh.

Wir begrüßten einen etwas skeptischen Logan, der nicht ganz zu glauben schien, dass ich tatsächlich vor ihm stand. Vielleicht hielt er mich auch für komplett verrückt, schließlich kannten wir uns erst einige Monate. Eine Weile später taute er aber auf, quatschte mit mir und lud uns auf ein Bier mit seinen Freunden im Bierkönig ein. Und auch wenn wir uns zuvor, für das was wir in diesem Laden gesehen hatten, des Todes geschämt hatten, konnten wir nicht nicht mitgehen.  

Auf dem Weg dahin, versicherte ich meiner BFF, dass unter Logans Freunde sicherlich auch jemand für sie dabei sein würde. Weil, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass von 13 Freunden alle hässlich sind? 

Nun ja. Darf ich vorstellen. Logans Freunde. 13 Stück davon. 

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Ganze 5 Minuten hielten wir es mit den Gefährten aus Mordor aus. Sie sahen nämlich nicht nur so aus wie hungrige Orcs, sondern benahmen sich auch entsprechend. 

Da sich unsere meine Pläne für den Abend mit „Logan und die Orcs“ (das klingt wie der Name einer schlechten Band) nun erledigt hatten, brauchten wir dringend eine Lösung. Im Hotelzimmer herum zu hängen war keine Option, schließlich waren wir auf Mallorca und es war Sommer. 

Die Lösung präsentierte sich uns kurze Zeit später in Form eines Plakats: „Juan Magan – Titos Palma – Samstag, 02. August 2016 ab 23:00 Uhr“

Einige Stunden später tanzten wir uns mit knappen Outfits, hohen Sandalen und leckeren Cocktails in der Hand auf der Tanzfläche von Titos warm. 

Nach einer Weile des „Tanzen als gäbe es keinen Morgen“, fühlte ich mich beobachtet. Ich schaute mich um und sah ihn einige Meter weiter -groß, gut gebaut, braun gebrannt- Beute. Gutaussehende Beute. Und sie kam direkt auf mich zu.

Er kam näher, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. Mein gutaussehender Typ tanzte mich an. Seine Hände berührten meinen Körper und zogen mich an sich ran. Wir tanzten eine Weile nah aneinander, bis wir uns an den Rhythmus des anderen angepasst hatten. Mit jedem Song kamen wir uns näher, bis unsere Körper sich vereinten. Irgendwann nahm er mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich. Und das tat er wie ein verdammter Weltmeister. 

Ich hielt ihn fest als Zeichen dafür, dass er bloß nicht aufhören sollte. 

Wir tanzten über 2 Stunden auf der brechend vollen Tanzfläche. Mal nebeneinander, mal voreinander, mal hintereinander. Dabei fuhren seine Hände meinen Körper entlang. Vom Nacken, zu den Schulter, über meine Seite bis zu meinem Hintern, von meinem Hintern zu meinem Oberschenkel und dann zum Hosensaum meiner sehr kurzen Shorts…

Als seine Finger zwischen meinen Beinen glitten stieg das Niveau der Party ins unermessliche. Wortwörtlich!!! 

Mamma Mia! Der große, gut gebaute, braungebrannte Italiener – wie es sich später herausstellte – war das beste was mir passieren konnte. Logan und seine Orc-Freunde waren so last season.  

Von Italiener zu Mexikaner…

Nach dem sehr italienischen Höhepunkt des Abends (Laura hatte sich ebenfalls einen italienischen Toyboy geangelt) und als wir dachten es konnte kaum noch besser werden, legte Juan Magán noch einen obendrauf. 

Kurz vor Mitternacht und nach einer Pause im Raucherbereich der Disco, nahmen meine beste Freundin und ich (ohne Toyboys, denn die hatten wir im Getümmel aus den Augen verloren) an den Stufen des VIP-Bereiches Platz, um den Auftritt des Star-DJs besser sehen zu können. Juan Magán lieferte das, wofür er bezahlt wurde, nämlich geile Musik, und wir taten das, wofür wir bezahlt hatten: Tanzen, tanzen, tanzen!

Es dauerte nicht lange und wir wurden von einer Gruppe Mexikaner in den VIP-Bereich eingeladen. Ehe ich mich umsehen konnte, tanzen Laura und ich auf einem Podest neben Juan Magán (und seinen Freunden) und tranken 200 Euro teuren Wodka. Für den wir selbstverständlich nicht zahlten (weil wir das Geld nicht besaßen). 

Bis hier hin alles super.  Jedoch wurden die Mexikaner von Mal zu Mal anhänglicher. Sie holten uns mehr Getränke als wir zu uns nehmen konnten und wollten uns keine 5 Minuten alleine tanzen lassen. Als sie uns einluden die Nacht auf ihrer Yacht zu verbringen, wurde Laura und mir alles too much. Wir mussten schnell da weg, aber wie? Der Gang auf Toilette schien die beste Option zu sein, um uns aus dem Staub zu machen. Da gab es nur ein kleines Problem: wir wurden bis zum Eingang der Toilette begleitet und schlimmer, es wurde auf uns gewartet (und das mit Ansage). #creeps #stalker

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Nachdem wir unser Problem mit all unseren Toiletten-Nachbarinnen geteilt hatten (Mädels, ich vermisse euch!!), entschieden wir uns dafür, einfach zu rennen und uns in der Menschenmasse zu verlieren. Wir warteten bis unsere Begleiter mit irgendwas anderem als den Frauen-Toiletten-Eingang beschäftigt waren und rannten. Und wie wir rannten. Zur Erinnerung: der Laden war brechend voll. Wir auch. Plus, wir hatten sehr hohe Schuhe an.

Was danach passierte: wir beruhigten uns, zogen unsere Schuhe aus, stiegen in ein Taxi und fuhren zurück ins Hotel. Wir machten die Klimaanlage an und stellten diese auf 16 Grad, weil uns sehr warm war. Dann schminkten wir uns während eines Lachanfalls ab, gingen schlafen und vergaßen den Timer der Klimaanlage zu stellen. Am nächsten Tag wachten wir mit dem Kater unseres Lebens, einer fetten Erkältung und einer nicht-familien-tauglichen Story auf.

Fazit der Machst-Du-eh-nicht-Reise: Die Nummer vom Italiener habe ich bis heute noch. And we may or may not write sometimes🙊. Weder Laura noch ich können zu 100% sagen ob die Mexikaner uns verfolgt haben oder nicht. Wir haben während unserer Flucht nie nach hinten geschaut. Und last but not least…wenn der Bierkönig nicht geschlossen hätte (ihr wisst schon…wegen des-Virus-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf.), würden Logan und seine Gefährten wahrscheinlich immer noch an der gleichen Stelle sitzen. Und ich. Nun ja. Ich würde alles wieder tun.

Mehr Stories über wie ER es nicht wurde gibt bei KÜSSE UND TRÄNEN.

Über den Autor

Die Welt ist meine Heimat, der Ozean meine Energiequelle und Salzwasser meine Blutgruppe. Mein Gesicht ist ein offenes Buch, meine Emotionen habe ich nach 28 Jahren immer noch nicht unter Kontrolle und meine Augen sprechen für mich, ob ich es will oder nicht.

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